Ein wilder Ritt nach Hebron

Ramallah, Palästina. Wir sitzen in einem kleinen Van mit Ziel Hebron. Ich könnte sehr viel über Hebron erzählen. Geschichten, die einen traurig und wütend machen. Aber dieser Text soll lustig sein. Und Geschichten über den Verkehr in fremden Ländern haben oft Potenzial. Wir sitzen also im Van. Außer uns noch einige Palästinenser. Zum Beispiel eine dicke Frau, deren Sitz beim Bremsen immer nach vorne klappt. Und wenn die Masse sich einmal nach vorne bewegt…lassen wir das. Unser Fahrer macht ab den ersten Metern keinen Hehl daraus, dass er heute eine neue Bestzeit fahren will. Er hat ständig einen Kaffee in der Hand. Sein Fahrstil: ketterauchend, wild schimpfend und gestikulierend – und immer am Limit. Er nutzte jede Lücke, jeden Zentimeter im Stadtverkehr und jede Überholmöglichkeit. Sein beliebtestes Manöver: Tankstellen am Straßenrand zum überholen nutzen. Einmal im Highspeed durch die Zapfsäulen. Er legt sehr viel Wert darauf, dass jeder angeschnallt ist – er wird wissen warum. Passend dazu liegen auf der Ablage neue Bremsbeläge parat – er scheint offensichtlich einige zu verschleißen. Wenn man an den Bergen und Türmen von alten, zerbeulten Karosserien, die sich in ganz Palästina am Stranßenrand stapeln, vorbei fährt und genau weiß, dass dein Fahrer kein Problem damit hat, wenn sein Auto auf einem dieser Stapel landet, dann sitzt man nicht unbedingt komplett entspannt im Wagen. Ich schlafe trotzdem ein bisschen. Das ist vielleicht auch besser so. Denn nach der Fahrt erfahre ich noch ein kleines Detail über den Fahrer: die meiste Zeit lenkte er mit seinen Knien…


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